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Viele Jugendliche schauen Pornos – und verbreiten intime Selfies

Viele Jugendliche schauen Pornos – und verbreiten intime Selfies

Jugendliche schauen Pornos

Trotz gesetzlichen Verbots kommen in Deutschland bereits viele Jugendliche mit Pornografie in Berührung. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor. Außerdem steigt in der Gruppe der Minderjährigen die illegale Verbreitung von expliziten Inhalten per Smartphone, wie die Bayrische Polizei berichtet.

Wegen Internet: Erstkontakt mit Pornografie betrifft heute schon Jugendliche

Noch nie war es so einfach an Pornos zu gelangen wie heute. Schließlich ist das Internet voll davon.

Ein generelles Problem ist das natürlich nicht, da niemand Erwachsenen, also volljährigen Personen, vorschreiben kann, keine Pornos mehr zu schauen. Doch für eine andere Gruppe ist das ein Problem: nämlich die der Jugendlichen. Denn laut deutschem Gesetzgeber richten sich Pornos ausschließlich an Personen über 18 Jahren. Eine Regelung, die sich mit der freien Verfügbarkeit von expliziten Inhalten im Internet beißt.

Die meisten Anbieter verzichten nämlich komplett auf eine Altersprüfung und wenn doch nach dem Alter gefragt wird, muss lediglich durch Anklicken eines Buttons die eigene Volljährigkeit bestätigt werden.

Kein Wunder also, dass laut Studien heutzutage gerade einmal 14,2 das Durchschnittsalter für den Erstkontakt mit Pornografie ist. Männliche Jugendliche schauen ihren ersten Porno sogar noch ein Jahr früher als Mädchen. Das liegt daran, dass viele Mädchen Pornos eher als abstoßend oder uninteressant empfinden, Jungen hingegen gerne vor Kumpels prahlen, welche und wie viele Sexfilme sie schon gesehen haben. Pornos sind für sie also weniger sexuelle Stimuli als ein Mittel zur Mutprobe oder zur Steigerung des Selbstwertes als Mitglied einer Gruppe Gleichaltriger.

Interessant ist, dass knapp 50 Prozent der Porno-Erstkontakte ungewollt stattfinden. Heißt: Viele Jugendliche stoßen beim Surfen im Netz zufällig auf erotisches Material, obwohl sie nicht explizit danach suchen.

Vier von fünf Jugendliche haben schon mal einen Porno geschaut

Aus einer aktuellen Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) geht hervor, wie viele Jugendliche genau Pornos schauen. Zwar wurden bei der unter der Leitung von Neil Thurman, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW), durchgeführten Untersuchung 1.000 Personen unter 18 aus Großbritannien befragt, aber die Ergebnisse könnten auch hierzulande Aufsichtsbehörden wichtige Hinweise über die Verbreitung des Pornokonsums unter Jugendlichen liefern.

Wie die Studie zeigt, sind rund vier von fünf Minderjährigen bereits mit Pornos in Berührung gekommen. Im Schnitt war es zum Zeitpunkt der Umfrage gerade einmal sechs Tage her, dass eine Pornoseite besucht wurde. Ein nicht unerheblicher Teil der Befragten sagt sogar, am selben Tag noch auf einer solchen Seite unterwegs gewesen zu sein.

Die Gesamtverweildauer auf Pornoseiten bei unter 18-jährigen beträgt im Monat rund zwei Stunden – größtenteils mobil, also per Smartphone oder Tablet. Außerdem werden soziale Netzwerke wie Instagram oder Twitter genutzt, um nach expliziten Videos und Bildern zu suchen.

Experten fordern bessere Regulierungen von Porno-Anbietern

Die zunehmende Nutzung von Pornoseiten im Internet durch Jugendliche hat Länder wie Deutschland, Großbritannien oder Frankreich bereits dazu veranlasst, Maßnahmen zu diskutieren – einige ließen sich sogar schon umsetzen. Beispielsweise sollen Porno-Anbieter dazu verpflichtet werden, ein System zur Altersverifikation einzuführen, um das Alter eines Nutzers bei jedem Aufruf der Seite prüfen zu können.

Ob derartige Regulierungssysteme aber tatsächlich ihren Zweck erfüllen würden, ist fraglich. Denn die Studie der LMU hat gezeigt, dass die meisten Jugendlichen eine VPN, über die per fremder IP-Adresse im Ausland gesurft werden kann, oder den Tor-Browser nutzen, um anonym Online-Pornos zu gucken.

Neil Thurman schlägt als Strategie für den Kampf gegen die oftmals global operierenden Firmen, die Online-Pornografie anbieten, vor, weltweit Druck auf sie auszuüben. Man müsse sie anregen, funktionierende Altersprüfungen für jeweils alle Märkte, auf denen sie operieren, zu gewährleisten. Zusätzlich sollten die geplanten Regulierungen – wie aktuell in Großbritannien der Fall – Social-Media-Plattformen einbeziehen.

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Immer mehr Jugendliche verbreiten intime Selfies

Neben dem Pornografie-Konsum ist unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren vermehrt ein Phänomen zu beobachten, dass ähnlich pikant ist – und vermutlich sogar noch gefährlicher ist. Die Rede ist von dem Verbreiten von intimen Selfies, auch „Pornoselfies“ genannt.

Konkret geht es hierbei darum, dass Jugendliche Nacktfotos von sich machen und diese per Smartphone versenden – meist an den festen Freund oder die feste Freundin. Und zwar tun sie das in dem ziemlich naiven Glauben, dass die Bilder nicht weiter geteilt werden. Sie erteilen dem Empfänger gewissermaßen einen Vertrauensvorschuss.

Laut eines aktuellen Berichts der kriminologischen Forschungsgruppe der Bayrischen Polizei handeln 57,6 Prozent der Versender von intimen Nacktfotos zwar freiwillig, allerdings wird ein großer Anteil der Bilder ohne ihr Einverständnis vom Empfänger weiterverbreitet – um genau zu sein, trifft das auf 76 Prozent der gefundenen „Pornoselfies“ von unter 18-jährigen zu. Nur die wenigsten sind also mit der Weiterverbreitung einverstanden.

Weitere Zahlen: Im Jahr 2019 wurden allein in Bayern 621 Minderjährige zwischen 14 und 17 wegen der Verbreitung pornografischer Schriften angeklagt. Allerdings sind natürlich nur die Delikte, die der Polizei bekannt geworden sind, statistisch erfasst. Die Dunkelziffer liegt vermutlich also deutlich höher, da sich erfahrungsgemäß vor allem bei Sexualstraftaten die Opfer schämen und daher auf eine Anzeige verzichten.

Darüber hinaus geht aus dem Bericht der Polizei hervor, dass ein deutliches Missverhältnis zwischen Jungen und Mädchen besteht, was die illegale Weiterverbreitung von ursprünglich freiwillig angefertigten intimen Selfies angeht. So handelt es sich mit 93,3 Prozent mehrheitlich um Nacktfotos von Mädchen, die weiterverbreitet wurden. Zudem waren 83,6 Prozent der Täter männlich.


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