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Immer mehr Männer unter 30 leiden an Pornosucht

Immer mehr Männer unter 30 leiden an Pornosucht

nackter Mann schaut Pornos

Pornosucht ist in Zeiten der Online-Pornografie ein wachsendes Problem. Inzwischen sind auch immer mehr Jüngere – vor allem Männer – davon betroffen.

Experten schlagen Alarm: Pornosucht trifft auch immer mehr junge Männer

Wer in der heutigen Zeit einen Porno schauen möchte, hat es leicht. Anstatt wie früher seine Lieblings-Erotikfilme aus der FSK18-Ecke einer Videothek ausleihen zu müssen, genügen wenige Klicks im Internetbrowser, um zur nächsten Tube-Pornoseite zu gelangen.

In Anbetracht der ständigen Verfügbarkeit von Online-Sexvideos wundert es kaum, dass auch die Schattseiten des Pornokonsums immer mehr zu Tage treten. Die Rede ist von Pornosucht. Denn die Zahl derjenigen, die zwanghaft Erotikvideos in einem Übermaß konsumieren, steigt seit Jahren stetig. Bei den Betroffenen handelt es sich vor allem um Männer.

Und noch etwas: Es leiden nicht nur grundsätzlich immer mehr Männer an Pornosucht, sondern auch immer mehr junge Männer. Das bestätigen viele Experten.

Der Psychiater und Suchtmediziner Kornelius Roth-Schaeff sagt bei einer Online-Diskussionsveranstaltung des österreichischen Vereins „Safersurfing“ : „Früher waren meine Patienten hauptsächlich Männer zwischen 40 und 50 Jahren, die zwei, drei gescheiterte Ehen und verschiedene Sexpartnerinnen hinter sich hatten und sich dann irgendwann fragten: Liegt es vielleicht an mir.“ Und weiter: „Aber in den letzten 20 Jahren wurden meine Patienten immer jünger. Das sind Digital Natives zwischen 25 und 30 Jahren, die manchmal schon vor der Pubertät im Internet mit Pornografie konfrontiert wurden.“

WHO hat Pornosucht bislang nicht als Suchterkrankung anerkannt

Nach Studien, die Roth-Schaeff zitiert, seien insgesamt 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung süchtig nach Online-Pornos. Den Löwenanteil machen Männer aus.

Dieser doch recht hohe Anteil lässt es umso erstaunlicher erscheinen, dass die WHO (Weltgesundheitsorganisation) Pornosucht bislang nicht offiziell als Suchterkrankung anerkannt hat. Dennoch konnte Experten zufolge 2019 bereits ein Meilenstein für die Anerkennung von Pornosucht erreicht werden. So gilt laut WHO seit 2019 zwanghaftes Sexualverhalten, worunter auch der übermäßige Konsum von Pornos gefasst wird, als psychische Erkrankung.

Glaubt man den Experten, ein längst überfälliger Schritt. So bescheinigt etwa Michael Musalek, langjähriger Ärztlicher Direktor des Anton-Proksch-Instituts in Wien, Pornosucht „ein hohes Suchtpotenzial“ und spricht von einer „sexuellen Superdroge“, die eher mit Heroin als mit Alkohol vergleichbar ist.

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Entfremdung von „echter“ Sexualität durch übermäßigen Pornokonsum

Bei der Online-Diskussionsveranstaltung von „Safersurfing“ schildert die Neurologin und Psychotherapeutin aus München Heike Melzer, welche extremen Ausmaße die Pornosucht bei einem ihrer Patienten bereits angenommen hat. Dieser sei erst 17 Jahre alt und habe schon jetzt alles im Darknet gesehen, was man dort sehen kann. Was für ihn früher Hardcore war, sei heute Blümchensex.

Laut Melzer entfremden sich Pornosüchtige immer mehr von dem, was „echte“ Sexualität ausmacht. „Man benutzt den anderen als bloße Masturbationshilfe“, sagt sie. Bei ihr in der Praxis sitzen inzwischen Patienten, die gerade einmal 20 Jahren alt sind und trotzdem schon Viagra-Tabletten einnehmen müssen. Sexualität kann von diesen Personen fast nur noch in der digitalen, in der analogen Welt hingegen kaum noch erlebt werden.

Corona-Krise verschärft das Problem

Hinzukommt die aktuelle Situation rund um die Corona-Pandemie, die das Problem der Pornosucht weiter verschärft. Melzer sagt dazu: „Es ist viel gefährlicher, wenn von zu Hause aus gearbeitet wird, weil dann das soziale Korrektiv wegfällt und man vielleicht schon während der Arbeitszeit zwischendurch wieder auf die Pornos zurückgreift.“

Laut Peter Stippl, dem Präsidenten des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, habe das Phänomen der Pornosucht wegen der sozialen Isolation und der Verlagerung des Lebens in die digitale Welt in der Corona-Krise grauenhafte Auswüchse angenommen. Dadurch ständen ganze Existenzen auf der Kippe, weshalb es notwendig sei, dass auf diese Situation gesellschaftlich und politisch reagiert werde.


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