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„Herbertstraße – kein Roman“: Geständnisse einer Domina

„Herbertstraße – kein Roman“: Geständnisse einer Domina

Domina Manuela Freitag Herbertstrasse

Wie wird man zu einer Prostituierten? Welcher Typ Mann nimmt die Dienste einer Domina in Anspruch? Und wo sind die persönlichen Grenzen einer Hure? Fragen wie diese beantwortet die Domina Manuela Freitag in ihrem Buch „Herbertstraße – kein Roman“. Wir haben die Vita und das Werk der Hamburger Sexarbeiterin einmal genauer unter die Lupe genommen.

Manuela Freitag – ein Leben auf der Herbertstraße

Tag für Tag anschaffen gehen auf dem berühmt-berüchtigten Kiez in St. Pauli. Für die meisten Menschen wäre es undenkbar, den Lebensunterhalt mit Sex gegen Bezahlung zu verdienen. Nicht aber für Manuela Freitag.

Die nach eigener Aussage dienstälteste Domina der Herbertstraße ist heute 57 Jahre alt und seit über 30 Jahren im Rotlicht-Etablissement tätig. Sie weiß, was Männer wollen, zeigt diesen aber auch selbstbestimmt ihre Grenzen auf. Doch das war längst nicht immer so, wie Manuelas Werdegang belegt.

Die Prostitution in die Wiege gelegt

Schon früh lernt die heutige Kiez-Größe, welche Tücken das Leben bereithalten kann. So wird sie von ihrer überforderten Mutter – die selbst im Rotlichtgewerbe tätig ist – zur Adoption freigegeben und kommt erst in eine Pflegefamilie, danach ins Kinderheim.

In Kontakt mit den ersten Freiern gerät sie bereits im Alter von zwölf Jahren. Wenige Jahre später wird die Teenagerin für einen gewalttätigen Zuhälter anschaffen gehen. Doch Manuela wehrt sich. Ihre Aussage vor Gericht führt schließlich dazu, dass ihr Peiniger hinter Gittern landet.

Als Domina dreht sie nun den Spieß um und lässt sich dafür bezahlen, Männern die Eier abzubinden, in die Brustwarzen zu kneifen oder die Kunden anderweitig zu schlagen und zu erniedrigen.

Hinter verschlossenen Türen

In „Herbertstraße – kein Roman“ verrät die Domina und Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes auf 288 Seiten, was sich in der Herbertstraße 7a alles zugetragen hat. Ob arm oder reich, Single oder Familienvater – bei ihr wären Männer jeglicher Couleur ein- und ausgegangen, um unter anderem die Peitsche der strengen Herrin am eigenen Leib zu spüren.

„Herbertstraße – Kein Roman“ von Manuela Freitag erschien bei Edel Books

Die Freier haben gemäß den Erfahrungen der Autorin „Wünsche, mit denen sie in der sogenannten Gesellschaft, in ihrem bürgerlichen Dasein, vermutlich anecken würden – die sich von mir aber meistens erfüllen lassen. Die Herbertstraße bietet ihnen Raum dafür.“

Im Interview mit Bild.de betont Manuela, dass sie zwar durch ihre schwierigen Lebensumstände in die Prostitution reingerutscht wäre – den Beruf einer Prostituierten und später den einer Domina habe sie aber aus voller Überzeugung gewählt. Im Falle einer behüteten Kindheit, so ist sich Manuela sicher, hätte sie auch in einem gesellschaftlich anerkanntem Beruf Erfolg haben können.

Von der Domina zur Schriftstellerin

„Eine perfekte Domina ist unnahbar“, sagt Manuela im Gespräch mit ihrem Verlag Edel Books. So käme es mit den Freiern nicht zum Geschlechtsverkehr. Allenfalls Berührungen wären erlaubt. Dies habe sich durch die Dumping-Angebote der Konkurrenz und durch Nutten, die sich fälschlicherweise als Domina ausgeben, inzwischen geändert.

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Nicht aber bei Manuela. Ihre Intimzone bleibt tabu. Zudem müssen die Kunden stolze 250 Euro pro Stunde bezahlen, wenn sie von ihr verwöhnt werden wollen. An Interessenten hat es ihr nie gemangelt: „Im Ködern war ich immer gut. Schon in den Anfängen meiner Hamburger Zeit, als ich in den Apartments in der Innenstadt anschaffen ging. Da brachte ich es locker auf meine zehn bis zwölf Gäste am Tag.“ 

Aufgrund ihrer langjährigen Spielsucht und dem Konsum von diversen Drogen gab die Domina das hart verdiente Geld in der Vergangenheit aber schnell wieder aus. Doch damit wäre jetzt Schluss.

Solange sie gefragt bleibt, will Manuela ihren Job weiterhin ausführen, zumal sie ihn nach wie vor gerne mache. Mit dem Buch wolle sie allerdings auch etwas anderes darstellen und nicht nur eine Prostituierte sein. Stolz würde es die Domina machen, wenn ihre Geschichte vielen Lesern gefällt.

Nicht zuletzt will Manuela mit ihrer Biografie auch ein Sprachrohr sein: „Ich erzähle meine Geschichte stellvertretend für die vielen Frauen aus dem Milieu, die nicht gehört werden.“ Im Zuge dessen wünscht sich die Debüt-Autorin mehr gesellschaftliche Akzeptanz für ihren Berufsstand.


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